Auf dieser Website werden Cookies u.a. für Werbezwecke, Zwecke in Verbindung mit Social Media sowie für analytische Zwecke eingesetzt. Klicken Sie bitte hier, um anzuzeigen, welche Cookies eingesetzt werden und wie Sie Änderungen an Ihren Cookie-Einstellungen vornehmen können. Wenn Sie weiter auf der Website surfen, erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies und der Datenschutzrichtlinie einverstanden.

Roban 2.0 & 3.0 Roban 2.0 & 3.0

Es ist eine Utopie zu glauben es geht weiter wie bisher!

17.Juli.2013 Dr Erhard Fürst - Die Illusion der Gemeinwohlökonomie! oder KENNE DEINE FEINDE

vor 5 Jahren
0
0
171

Den kompletten Artikel findet man bei Tante Jolesch, dem Online-Magazin gegen Dummheit und Depression.
http://www.tantejolesch.at/tjtrue.php?href1file=cafebennok&bild=cafebenno.jpg

Der Fürst und das Gemeinwohl
Wer wissen will, wie der IWF (Internationaler Währungsfonds) tickt, warum er zu so horrenden Fehleinschätzungen neigt wie in der Argentinien-Krise oder im Fall Griechenland, der hatte am Mittwochabend im Cafe Benno Gelegenheit Näheres zu erfahren.

Dort erklärte Erhard Fürst ab 20 Uhr die Welt. Der ehemalige IWF-Mitarbeiter und Chef-Ökonom der Industriellenvereinigung hielt beim "Klub Logischer Denker" ein Referat über die „Illusion der Gemeinwohlökonomie". Grundlage seiner Kritik war das Buch zum Thema von Christian Felber.

Das Hohe Lied der Globalisierung
Eine halbe Stunde lang pries Erhard Fürst die Segnungen der freien Marktwirtschaft, eine weitere halbe Stunde lang malte er das Horrorszenario einer Gemeinwohlökonomie an die Wand. Mit dem Konzept Christian Felbers hatten Erhards Darlegungen allerdings wenig bis nichts zu tun.

Zur Finanzkrise verlor Fürst in seinem Referat kein Wort. Dafür sang er das Hohe Lied der Globalisierung. Die Welt habe sich dank ihr zu immer mehr Wohlstand entwickelt, in Ländern wie Indien und China entstünde nun ein Mittelstand, war eine seiner Lobeshymnen.

Den Einwand, dass im Süden Europas sich der Mittelstand gerade auflöse und was er zu 40, 50, 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit dort meine, konterte Fürst mit der Bemerkung: „Die Südländer haben über ihre Verhältnisse gelebt."

Die Anmerkung, dass wohl höchstens 10% der Griechen vom Euro profitiert hätten, während die anderen 90% nun die Zeche der Globalisierung zahlen, ignorierte der Referent geflissentlich.

Die Kollateralschäden der Marktwirtschaft
„Und was ist mit den über 1000 Toten in Bangladesch, die neulich in einer Textilfabrik umgekommen sind?", wagte eine Stimme aus dem Publikum den Glanz der Globalisierung zu trüben. „In Zwischenperioden ist das unvermeidlich." erklärte Fürst. So einfach ist das. So denkt also der IWF. Wer immer schon vermutet hatte, dass hinter der asozialen Brandrodung des IWF primitive Denkmuster und blanker Zynismus stecken, der wurde durch Erhard Fürst bestätigt.

Es gibt im Konzept der Gemeinwohlökonomie Felbers kein Verbot, mit Firmen in anrüchigen Staaten Handel zu treiben. Es gibt auch keinen Zwang, sich den Zielen der Gemeinwohlökonomie anzuschliessen. Felber erklärt zudem in seinem Buch ganz unzweideutig, dass die genauen Ziele der Gemeinwohlökonomie erst in einem „Demokratischen Konvent" festgelegt werden sollen. Auch darin sah Fürst eine Bedrohung der Freiheit. Wer Basisdemokratie fordere, sei machtbesessen. Solche Experimente hätten immer schon in einer Diktatur geendet.

In Felbers Konzept werden Betriebe, die auf Menschenwürde, Fairness, solidarisches Verhalten achten, belohnt. Betriebe, die Werte wie Mitbestimmung und Nachhaltigkeit missachten, werden durch Abgaben belastet. Das allein zeigt, dass Felber einen Kurswechsel in der Wirtschaft nicht mit totalitären Mitteln anstrebt. Er schlägt schlicht vor, die Gemeinwohlethik in der Wirtschaft zu fördern, Verschwendung und unethisches Wirtschaften zu sanktionieren.

Zur Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens meinte der Chefökonom: Wenn die Billa-Verkäuferin 1200 Euro im Monat bekäme, würde sie nicht mehr arbeiten gehen. Für die Globalisierung warb Fürst mit dem Spruch: „Wer von uns isst keine Orangen zu Weihnachten?" Ausserdem könnten „wir" (wer immer damit gemeint ist) uns ohne Globalisierung keine Jeans zu 9 Euro mehr kaufen. Auf die Grundwerte der Gemeinwohlökonomie ging Fürst nicht näher ein. „Gerechtigkeit gibt es erst im Himmel" war das einzige, was ihm dazu einfiel. Hier auf Erden empfiehlt Fürst: "Angst vor Kündigung ist ein guter Motivator".

So hangelte Fürst sich von einem Stammtischspruch zum nächsten. Den meisten vom Fixpersonal im Publikum gefiel es.

Gebrauchanleitung für den "Klub Logischer Denker"
Der Klub der Logischen Denker existiert seit 43 Jahren. Eine satte, gut situierte Alt-Herren-Riege, Durchschnittsalter 65, mit wenigen weiblichen Einsprengseln, gehört zum Stamminventar. Die meisten Mitglieder sind im Kalten Krieg gross (und wohlhabend?) geworden und leben immer noch in diesen Zeiten und Begriffen.

Der Abend war in massenpsychologischer Hinsicht hochinteressant als Musterbeispiel, wie man Projekte und Personen gezielt "missverstehen" und diffamieren kann und wie schnell Wohlhabende bestimmter Couleur regredieren, wenn sie meinen, ihr Besitzstand würde angetastet. In thematischer Hinsicht war die Veranstaltung eher unerspriesslich.