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Krystyna Schreiber: Der Katalonien-Konflikt und demokratische Mitbestimmung im 21. Jahrhundert

vor 2 Monaten
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In der 4. Ausgabe unseres neuen Podcast-Formats "Darüber sollten wir reden" ist die deutsche Journalistin Krystyna Schreiber zu Gast.

Im Gespräch mit Mag. Christian Janisch und dem Idealism Prevails "Kitchen Talks"-Interviewer Alexander Stipsits geht es u. a. um das Selbstbestimmungsrecht europäischer Völker am Beispiel Kataloniens und die Frage wie Nationalstaaten & supranationale Organisationen wie die EU mit regionalen Unabhängigkeitsbewegungen umgehen sollten.

Schreiber, die zum Konflikt zwischen der Region Katalonien und Spanien bereits zahlreiche Publikationen vorgelegt hat, gibt einen first hand Einblick wie sich die Auseinandersetzung um die mögliche Unabhängigkeit Kataloniens in den letzten beiden Jahrzehnten entwickelt hat und beschreibt warum es mit der Zeit immer schwieriger geworden ist eine für alle Seiten tragbare politische Lösung zu finden.

Die Expertin erklärt, dass die Unabhängigkeitsbewegung an Zulauf gewann, als klar wurde, dass der föderale Weg innerhalb Spaniens scheitern würde und Sie macht klar, dass es sich bei der überwiegenden Mehrheit der katalanischen Unabhängigkeitssympathisanten keinesfalls um nationalistisch gesinnte Separatisten handle, sondern um engagierte Europäer denen es als Katalanen vor allem auch darum ginge Teil der Europäischen Union zu sein.Sie beklagt, dass ein politisches Problem durch die Kriminalisierung katalanischer Politiker auf die juristische Ebene gehoben worden wäre.

Alexander Stipsits stellt die Frage "Was ist Mitbestimmung und was löst Mitbestimmung aus“ und er erinnert auch an indianische Kulturen, Matriarchate und frühe Formen von Demokratie in denen die Teilhabe von Frauen eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Frage welche Art von Demokratie real gelebt würde ist sehr wesentlich und für Ihn persönlich ist klar, dass man neue gesellschaftliche Bürgerbeteiligungsmodelle finden müsse.

In der Folge diskutieren Schreiber, Janisch und Stipsits couragiert miteinander über die Frage wie Nationalstaaten und supranationale Akteure generell mit Unabhängigkeitsbestrebungen wie in Katalonien und anderswo umgehen sollten und werfen auch einen Blick auf Schottland, Belgien, die Region Québec und den hot spot Hongkong. Einig sind sie sich, dass der Nationalstaat ein Modell des 19. Jahrhunderts wäre und sich die Frage stelle ob er noch zeitgemäß ist.

Schreiber erklärt, dass es Teil der katalanischen Mentalität sei stets den Dialog zu suchen und keinen offenen Konflikt auszutragen. Aus diesem Grund sei das Element des friedlichen Widerstands weiterhin zentral, um den erhofften politischen Wandel zu bewirken.

Die Haltung der Unabhängigkeitsbefürworter gegenüber Europa war aus der Sicht Schreibers teilweise naiv, viele Katalanen hatten hohes Vertrauen in die lokale Politik, dass sich politisch etwas verändern würde und waren dann sehr enttäuscht, als die Unabhängigkeitsbewegung teilweise gewaltsam niedergeschlagen wurde und das Recht auf friedlichen Widerstand und Protest stark eingeschränkt wurde.

Alexander Stipsits stellt die Frage wie man zu einer systemischen Reform der Demokratie kommen könne und wie es dabei gelingen könne das überregionale Element miteinzubeziehen. Es stelle sich für ihn die Frage wie man ein Gemeinwesen so aufbaue, dass jeder, der wählt, auch das dafür notwendige Wissen habe, die Bildung sei hier der Schlüssel.

Krystyna Schreiber bekennt sich als Europäerin zu fühlen und, dass sie sich im Sinne von Ulrike Guérot zb. sehr gut vorstellen könne einen europäischen Pass zu verwenden. Sie beklagt, dass die bestehenden Nationalstaaten in Europa zusammenhalten würden und nach Unabhängigkeit strebende Regionen, um direkt mit der EU kommunizieren zu können, selbst ein Nationalstaat werden müssten. Es wäre daher wichtig über neue territoriale Modelle nachdenken, um adäquat mit den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens und anderer europäischer Regionen umzugehen.

Alle drei Experten sind sich einig, dass Europa im weltweiten Kontext drohe dramatisch an Relevanz zu verlieren bzw. bereits verloren habe und Stipsits bringt die Vision des Weltbürgers ein. Der Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Zizek habe nicht umsonst davor gewarnt, dass wenn Europa fallen würde, damit die letzte Bastion des Humanismus im klassischen Sinne gefallen wäre.

Stipsits betont, dass die Zukunft Europas auch in der Zusammenarbeit der Regionen liege, denn es habe keinen Sinn gegen Strukturen der Nationalstaaten und der EU anzurennen.

Für Schreiber wären Gesellschaftskunde und Ethikunterricht wichtige Instrumente um die demokratische Reife zu verbessern und alle drei Journalisten sind sich einig, dass uns die Frage wie demokratische Mitbestimmung im 21. Jahrhundert aussehen könne eine der größten Herausforderungen unserer Zeit bleiben wird.

#Katalonien #Schreiber #EU

Ausführlicher Blog-Artikel:
https://www.idealismprevails.at/krystyna-schreiber-der-katalonien-konflikt-und-demokratische-mitbestimmung-im-21-jahrhundert/